Austausch, Report, Abstimmungen, Brainstorming: während unserer Arbeit fallen viele Aufgaben ab, für die mal lauter, mal leiser kommuniziert werden muss. Aber ob das Gesagte auch immer fehlerfrei beim Gegenüber ankommt, liegt nicht zuletzt an der Akustik des Raumes.

Man kennt es noch aus Kindertagen von dem Spiel „Stille Post“: Eine Botschaft wird nur flüsternd von Kind zu Kind weiter gegeben und meist kommt beim letzten Spieler eine ganze andere Nachricht an, wie die ursprünglich gesendet wurde. Aber wie kommt das? In der Kommunikationswissenschaft spricht man vom Sender und Empfänger. Zwischen den beiden wirken sich eine Reihe an Faktoren darauf aus, was letztendlich vom Empfänger verstanden wird. Man spricht dabei von Störsignalen. Eine laute Umgebung mit Verkehrslärm etwa erschwert die Verständlichkeit. Störgeräusche kommen aber nicht nur von einer lauten Umgebung, auch starker Hall wie zum Beispiel in unmöblierten Räumen erschwert die Verständlichkeit und kann somit das Gesagte selbst überlagern.

Die Nachhallzeit als messbarer Faktor nach DIN EN ISO 3382

Wie kann nun also ermittelt werden, ob ein Raum Gesprächssituationen optimal wiedergibt? Der Nachhall lässt sich messen. Dabei wird ein Impuls, den man sich wie einen kurzen Ton vorstellen kann, mit einem in alle Richtungen schallender Lautsprecher ausgesendet. Sobald dieser Impuls beendet ist, wird mit einem Mikrofon gemessen, wie lang dieser Tonimpuls noch nachklingt. Die DIN EN ISO-Norm 3382 legt das Verfahren zur Messung von Nachhallzeiten in Räumen fest. So wird gewährleistet, dass die gemessene Nachhallzeit verschiedener Räume objektiv miteinander verglichen werden kann.

Kirchen, Tonstudios und der optimale Hall

Oft wird nach dem Idealwert für die Nachhallzeit gefragt. Die gar nicht so einfache Antwort: Einen bestimmten Wert gibt es nicht. Je nach Zweck des Raumes sind besonders lange oder extrem kurze Nachhallzeiten erwünscht. Diese Ansprüche werden dann oft schon in der Architektur entsprechend realisiert und können mit der Einrichtung weiter verstärkt werden.

So ist zum Beispiel die Nachhallzeit von großen Opernhäusern absichtlich lang, um ein optimales Klangerlebnis für den ganzen Saal zu gewährleisten. Töne sollen hier möglichst lang nachklingen,  dementsprechend sind die Räumlichkeiten bereits architektonisch danach angelegt. Die längsten Nachhallzeiten haben übrigens Kirchen. Spitzenreiter ist dabei der Kölner Dom. Hier hallt es ganze 13 Sekunden lang. Das bedeutet, wer dort predigt muss sechsmal langsamer reden, um auch im ganzen Raum verstanden zu werden.

Im Gegensatz dazu werden Tonstudios extrem gedämmt, so dass die Nachhallzeit relativ kurz ist. Im Schnitt sogar nur 0,2 Sekunden. So wird dafür gesorgt, dass die Aufnahme möglichst wenig durch Raumreflexionen beeinträchtigt wird. Der Aufenthalt in solchen Räumen kann aber aufgrund der starken Schallabsorption als unangenehm empfunden werden.

Nachschallmessung

Und was sagt die DIN 18041 aus?

Die DIN 18041 ist die Norm für „Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen“ und gibt an, welche Nachhallzeit explizit für Räume gelten, in denen notwendiger Sprachverständlichkeit gegeben sein muss und teilt diese in die Gruppen A und B ein. So Fallen in die Gruppe A alle Räume, in denen das Gesagte auch über größere Entfernungen gut zuhören sein sollte. Dazu zählen Klassen- oder Schulungsräume. Hier gibt die DIN-Norm konkrete Werte vor, die eingehalten werden müssen. Gruppe B beinhaltet Räume mit einer guten Sprachverständlichkeit über kurze Distanzen. Dazu zählen Büros und Konferenzräume. Hier werden nur Empfehlungen für eine optimale Nachhallzeit gegeben. Diese Empfehlungen schließen auch das Anbringen von Absorptionsmaterial ein. Das können etwa schallabsorbierende Trennwände, eine Akustikdecke oder akustische Wandpaneele sein.

Der Sonderfall Büro: Privacy und Artikulationsklasse

Zwar handelt es sich bei der Nachhallzeit um einen wichtigen Faktor, die Raumakustik in Büros allein darauf zu beschränken, ist oft nicht ausreichend. Weitere Gesichtspunkte die beachtet werden müssen sind die sogenannte „Privacy“ und die „Artikulationsklasse“. Die Privacy gibt dabei an, wie gut der Schall zwischen zwei Arbeitsplätzen gedämpft ist. Mit der Artikulationsklasse kann die Stärke der Schallabsorption und der Reflexionsminderung beschrieben werden.  Je höher der Wert, desto besser werden Geräusche gemindert. Dies ist enorm wichtig für eine angenehme Arbeitsatmosphäre, denn Gespräche sollten nicht überall im Raum hörbar sein. Besonders im Team- oder Open Space Büro kann das die Konzentration der anderen Mitarbeiter extrem beeinträchtigen.