Unsere Arbeitsabläufe werden immer schneller. Neue Technologien erfordern schnelle und effiziente Abläufe. Leider hakt es dann sehr oft ein einer bestimmten Stelle: dem Entscheidungsprozess. Zu oft werden die Entscheidungen noch immer von Führungskräften getroffen, die entweder zu wenig im Thema sind oder zeitlich zu ausgelastet, um sich auch noch mit diesen Prozessen zu beschäftigen.

Eine Führungskraft muss nicht alles können, aber Sachverhalte schnell überblicken, einschätzen und Entscheidungen fällen, gehören zu den täglichen Aufgaben. Wenn sich diese Entscheidungsprozesse jedoch ewig hinziehen, kann das schnell zum Bremsklotz für ganze Abteilungen oder sogar Organisationen werden. Innovatives Arbeiten und visionäre Ansätze können nur umgesetzt werden, wenn zwischen Entscheidung und der Umsetzung möglichst wenig Zeit vergeht.

Den Spezialisten vertrauen

Oftmals haben solche hierarchischen Entscheidungsstrukturen mit der Angst vor Kontrollverlust zu tun. Viele Chefs und Führungskräfte fühlen sich nicht wohl bei dem Gedanken, Verantwortung abzugeben. Dabei haben sie eben jene Spezialisten für die Teams ausgesucht und eingestellt, die mit ihrem fachlichen Backround am besten in die Themenbereiche eingearbeitet sind. Kompetenzen und Verantwortung sollten Hand in Hand gehen, um möglichst agil handeln zu können.

Entscheidungsprozesse optimieren – auch während der Urlaubszeit

Die allseits bekannte Situation ist folgende: Es muss eine wichtige Entscheidung getroffen werden, aber die Führungskraft, deren Unterschrift benötigt wird, ist im Urlaub. Im Normalfall wird der Prozess auf Eis gelegt und so kann noch die ein oder andere Woche vergehen, bis hier endlich grünes Licht gegeben werden kann. Im ungünstigsten Fall ist dann aber entweder der Interessent oder Kunde bereits abgesprungen oder ein wichtiger Zeitpunkt verstrichen.

Was sollte also geändert werden? Wenn man sich erfolgreiche und innovative Unternehmen ansieht, die immer einen Schritt im Voraus denken fällt auf, dass hier die Fachkompetenz statt Führungshierarchien im Vordergrund stehen.

„Es macht keinen Sinn, kluge Köpfe einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie zu tun haben. Wir stellen kluge Köpfe ein, damit sie uns sagen, was wir tun können.“ – Steve Jobs

Apple-Firmengründer Steve Jobs († 2011) erkannte früh, dass es nicht darauf ankommt, dass er alle Entscheidungen von oben vorgibt, sondern gemeinsam mit den gut ausgebildeten Fachkräften einen Weg findet, wie Teams selbst operativ entscheiden können.
Dazu hier nur zwei von zahlreichen praktischen Methoden zur schnellen Entscheidungsfindung:

Konsultative Einzelentscheid

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, werden zwei sachkundige Experten einbezogen. Diese können aus dem eigenen Unternehmen stammen oder auch extern hinzugezogen werden. Wichtig ist, dass sie einen fachlichen Backround haben und nicht etwa die sympathischsten Kollegen sind. Auf diese Weise lassen sich Entscheidungen besser begründen und langwierige Abstimmungsrunden entfallen.

Konsent-Entscheid – aber mal anders  

In dieser Variante des Konsent geht es nicht darum, möglichst viel Zustimmung zu erhalten, sondern ein Minimum an fundierten Bedenken. So sollte eine generelle Frage lauten: „Hat jemand gravierende Einwände gegen diesen Vorschlag?“. Auch so können Entscheidungen schneller gefällt werden und nur mit begründeten Einsprüchen müsste der Vorschlag überarbeitet werden.

Ist die Einbeziehung von Mitarbeitern sinnvoll?

Laut einer aktuellen Studie der Haufe-Gruppe, einer Unternehmensgruppe aus dem Verlagswesen, Weiterbildung sowie digitale Arbeitsplatzlösungen und Dienstleistungen, möchten sogar 84 Prozent aller Beschäftigten ein Entscheidungen beteiligt werden oder zumindest einen Einfluss auf Entscheidungen haben. Die positiven Effekte daraus wären neben der eventuellen Zeitersparnis, dass die Mitarbeiter motivierter wären, bessere Entscheidungen gefällt werden können und knapp ein Drittel der Befragten meint, dass das Unternehmen dann auch erfolgreicher wäre.

Ein Umdenken ergibt hier also durchaus Sinn. Es muss nur angegangen werden. Und das am besten in kleinen Schritten. Legen Sie fest, wer für welche Bereiche Entscheidungsgewalt erhält, nach welcher Methodik vorgegangen wird und wo die spätere Umsetzung stattfindet. Am besten wird über diese Neuerung transparent kommuniziert. So entstehen keine Missverständnisse und mögliche Benachteiligungen lassen sich schnell besprechen. Denn nichts ist unangenehmer für das Betriebsklima als unkontrollierbarer Flurfunk.

Fazit

Die zunehmende Selbstverwaltung reduziert das blockierende Mikromanagement und entlastet die Führungsetage. Die Mitarbeiter gewinnen an Motivation und übernehmen Verantwortung für ihren Bereich. Somit kann wesentlich schneller und durchdachter gearbeitet werden. Denn der Druck, der sich bei einer fehlenden Entscheidung aufbaut – da erst blockiert und dann in Windeseile umgesetzt werden muss – entfällt. Entscheidungsfindungen können sogar Spaß machen und werden nicht als eine Behinderung in den Arbeitsprozessen gesehen. Fähige Mitarbeiter werden gestärkt und gehalten. So kann neben der Effizienz, der Zeitersparnis und dem entspannten Arbeiten auch eine bessere Mitarbeitermotivation, Teamstärkung und Selfmanagement dabei rausspringen. Die Führungsetage hat somit den Kopf frei strategisch weiterzudenken und das berühmte „…one more thing“ zu entwickeln. Schließlich hat es Steve Jobs es auch durch gutes Management und einem erstklassigen Team geschafft, Apple zum innovativsten und wertvollsten Unternehmen der Welt zu machen.