„New Work“ ist in aller Munde. Alle wollen es leben, weiter ausbauen, sind stolz nach dem „New Work“ Prinzip zu arbeiten. Aber was genau bedeutet das und wie ist New Work in Deutschland eigentlich umgesetzt.

Wir leben in spannenden, aber auch anstrengenden Zeiten. Veränderungen und Neuerungen sind stetiger Begleiter unseres Lebens. Neue Technologien, neue Konzepte, neue Kommunikationsformen. Wir haben uns zum Teil dran gewöhnt, denn ‚wer rastet, der rostet‘. Auch die Arbeitswelt ist im ständigen Wandel. Arbeitszeitmodelle, Strukturen oder Mitarbeiterbenefits werden ausprobiert und umgesetzt. Dabei geht es zum einen um bestmögliche Effizienz und natürlich um hohen Profit. Allerdings lassen sich diese beiden Ziele nur erreichen, wenn ich top Mitarbeiter habe. Also gut ausgebildete Fachkräfte, die motiviert sind und selbst an der Weiterentwicklung des Unternehmens, in dem sie arbeiten, interessiert sind.

    • Flache Hierarchien

Alle reden von flachen Hierarchien, aber nur wenige Unternehmen leben sie wirklich. Die Zeiten, in denen der Chef die zentrale Figur und einziger Entscheider ist, sollten längst vorbei sein. Statt gnadenlosem Mikromanagement sollten Mitarbeiter so viel Vertrauen genießen, dass sie gern selbstständig und motiviert ihre Aufgaben bewältigen können.

Ein Blick auf die aktuelle Situation in deutschen Unternehmen macht hingegen deutlich, dass die meisten noch sehr weit vom Arbeiten auf Augenhöhe entfernt sind. Führungskräfte müssen dabei lernen Verantwortung abzugeben und mit ihren Angestellten zusammenzuarbeiten. Nur dann haben Mitarbeiter genügend Freiraum sich zu entfalten und unnötige Entscheidungswege werden verkürzt.

    • Digitalisierung

Keine Angst vor der Technik. Nach einer Umstellungsphase ist Technik bislang immer ein Mittel zur Arbeitserleichterung gewesen. Wo wären wir heute ohne Computer, Drucker oder Internet. Technik zulassen, Mitarbeiter schulen und auch dafür begeistern, ist die Aufgabe von modernen Unternehmen. Letztendlich lassen sich so Prozesse und Abläufe vereinfachen und transparenter gestalten.

Wichtiger Ausgangspunkt für neue Technogien ist dabei die richtige Strategie. Wie lassen sich ganze Systeme umstellen, ohne dass es zu Ausfällen kommt und damit womöglich zu Umsatzeinbußen? So sollten der Umfang und der Zeitplan lange feststehen, bevor die Neuerungen umgesetzt werden. Experten können eine hilfreiche Stütze sein, in die es sich zu investieren lohnt. Nur am Puls der Zeit mit einer guten Digitalisierungsstrategie und Weitblick, kann ein Unternehmen auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben.

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    • Flexibilität

40 Stunden die Woche präsent am Schreibtisch sein? Um eine ausgewogene Work-Life-Balance für die Mitarbeiter zu schaffen, sollte das der Vergangenheit angehören. Home Office und flexible Arbeitszeitmodelle sind heute wichtige Komponenten, um in Zeiten des Fachkräftemangels zu bestehen. 

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Noch immer hält sich die Idee hartnäckig, dass eine 40-Stunden-Woche das Non-plus-Ultra der deutschen Arbeitswelt ist. Dabei beweisen uns immer öfter neue Arbeitszeitkonzepte das Gegenteil. Die 40-Stunden-Woche stammt aus der Zeit des Wirtschaftswunders und ist damit über 50 Jahre alt. Vieles hat sich in den letzten knapp 70 Jahren gewandelt, wir erleben eine moderne, tolerante Gesellschaft mit vielen Freiheiten und Entwicklungsspielraum. Die 40-Stunden-Woche ist allerdings beständig. Dabei ist es erwiesen, dass kaum jemand in der Lage ist, volle acht Stunden täglich konzentriert und aufmerksam arbeiten zu können. Auch das Festhalten von Präsenz am Arbeitsplatz von vielen Arbeitgebern spricht gegen das Konzept von New Work.

Die Koordination von privaten Terminen, anderen Verpflichtungen oder Organisation erfordern es zum Teil, dass Arbeitszeiten flexibel gestaltet werden sollen und auch Home Office eine Option für Arbeitnehmer sein sollte.

Neuere Konzepte, wie etwa der 5-Stunden-Tag zeigen, dass sich in weniger Zeit genauso viel leisten lässt. Nur eben konzentrierter und motivierter, da die Mitarbeiter wissen, dass sie danach noch die Hälfte des Tages für ihr Privatleben nutzen können.

    • Agilität

Auf Veränderungen schnell zu reagieren, kann ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Sich in Projekten schnell anpassen zu können und das aus Erfahrungen gezogene Wissen entsprechend anwenden zu können, sind sehr nützliche Fähigkeiten, die den entscheidenden Unterschied ausmachen können.

So können Teams immer wieder variabel je nach Aufgabenfeld oder Projekt zusammengestellt werden. Der große Vorteil dabei ist, dass unterschiedlichste Fachgebiete und Arbeitsweisen voneinander profitieren können. Damit kann Einheitsbrei entgegengewirkt werden und Innovationen entstehen.

    • Moderne Bürowelten

Die Atmosphäre am Arbeitsplatz ist ein entscheidender Motivator und wirkt sich nicht nur auf den einzelnen Mitarbeiter aus, sondern genauso auf die gesamte Belegschaft. Ein schönes Büro motiviert, inspiriert und sorgt für den nötigen Austausch der Kollegen untereinander. Nur wer sich wohl fühlt, kann auch frei denken und sich über den täglichen Aufgabenbereich hinaus engagieren.

Dabei ist es wichtig auch stets den Nutzen eines Büros im Auge zu behalten. Es ist eher kontraproduktiv ein großes Open Space Büro für Teams zu gestalten, die viel Ruhe und konzentrierte Arbeitsatmosphäre benötigen, während eben solch ein Büro für Teams geeignet ist, für die der Austausch untereinander Arbeitsgrundlage ist.

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Neben der Größe und dem Aufbau ist dann zudem die Gestaltung ein grundlegender Faktor. Farben und Materialen, sowie Licht und Funktionalität eines Büros bestimmen die Atmosphäre und damit auch, ob sich Mitarbeiter wohl führen und gern an ihrem Platz arbeiten.

    • Individualität

Jeder Mitarbeiter hat bestimmte Stärken und Schwächen, verfügt über individuelle Talente und möchte auch als Individuum wahrgenommen werden. Dabei ist es essenziell, dass jeder Mitarbeiter auch die angemessene Wertschätzung erfährt, die ihm zusteht. Mitarbeiter, die sich übergangen und ungesehen fühlen, verlieren an Motivation, sind weniger engagiert, haben vielleicht innerlich schon gekündigt und verlassen im schlimmsten Fall das Unternehmen, ohne dass ihr komplettes Potential je erkannt wurde.

Damit werden nötige Fachkräfte und gut eingearbeitete Mitarbeiter vergrault. In den Zeiten des Fachkräftemangels, sollten gute Arbeiter unbedingt gehalten werden. Sie sind bereits in die Prozesse eingearbeitet und können je nach individuellen Stärken gefördert werden. Womöglich schlummern dort Talente, die von der Führungskraft lange übersehen werden.

Auch regelmäßige Mitarbeitergespräche helfen die Belegschaft und deren Wünsche und Beweggründe besser zu verstehen. Nur so kann Unzufriedenheit und negativem Flurfunk entgegengewirkt werden. Sucht ein Mitarbeiter ein neues Aufgabenfeld, lässt sich dieser Wunsch vielleicht im Unternehmen erfüllen.

Wie steht es um die New Work in Deutschland?

Ansätze und Entwicklungen in Richtung New Work lassen sich klar erkennen, dennoch haben viele Unternehmen in Deutschland noch ein großes Stück Arbeit vor sich. Zwar wird in vielen Unternehmen der Punkt Digitalisierung angegangen, die Mitarbeiterzufriedenheit wird hingegen weitestgehend weniger beachtet. Für viele Arbeitgeber bedeutet Home Office und eine ausgeglichene Work-Life-Balance eher ein Freifahrtschein für faule Mitarbeiter. So lange sich Mitarbeiter vor der Führungskraft darüber profilieren, wer die meisten Überstunden macht, besteht eben auch die Gefahr, dass dieses Verhalten schnell in eine gestresste und frustrierte Belegschaft mündet.

Natürlich lassen sich nicht in jeder Branche oder in jedem Unternehmen diese Prinzipien eins zu eins umsetzen. Der Einzelhandel würde beispielsweise mit flexiblen Arbeitszeiten und Home Office gewiss nicht funktionieren. Trotzdem sollten Unternehmen immer wieder den Status Quo hinterfragen und überlegen, ob sich Prozesse und Abläufe überarbeiten lassen. „Das haben wir immer so gemacht“ sollte kein Argument sein, um an altbackenen Dingen festzuhalten. In diesem Sinne: auf zur New Work!