Kann man acht Stunden am Stück produktiv sein und das auch noch fünf Tage die Woche? Seit den 60er Jahren ist die 40-Stunden-Woche in Deutschland ein weit verbreitetes Modell. Das bedeutet, dass wir seit 60 Jahren an einem Arbeitszeitmodell festhalten, sich die Arbeitsbedingungen seit dem aber grundsätzlich verändert haben. Ist also der Acht-Stunden-Tag noch zeitgemäß?

Das Schlagwort „Work-Life-Balance“ ist für die junge Generation von Arbeitnehmern ebenso wichtig wie gerechte Bezahlung. Das bedeutet keinesfalls, dass es sich bei den ab 1980 Geborenen um demotivierte und Faule Angestellte handelt, vielmehr handelt es sich um eine Neugewichtung der Prioritäten. Denn die Generation Y will sich durchaus im Job verwirklichen und wagt gern den Karriereaufstieg. Allerdings nur, wenn auch ein Ausgleich im Privatleben stattfinden kann. Damit ist häufig der Wunsch nach weniger Wochenarbeitszeit verbunden.

Dass bisherige Arbeitszeitmodelle hinterfragt werden, ist nichts Neues. Auch in anderen Ländern werden neue, zeitgemäße Modelle ausprobiert. Und das mit Erfolg. So wurde in Göteborg, Schweden, 2015 der Sechs-Stunden-Tag getestet und das ohne Gehaltsminderung. Das Ergebnis waren motivierte Mitarbeiter, weniger Krankheitsausfälle und weniger Überstunden.

Niemand kann acht Stunden lang konzentriert arbeiten

Noch einen Schritt weiter ging eine Bielefelder Online-Agentur und führte die 25-Stunden-Woche mit fünf Stunden Arbeitszeit pro Tag bei vollem Gehaltsausgleich ein. Der Gedanke dahinter war zunächst, dass der Inhaber selbst vermehrtes Interesse daran hatte, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Dazu kam, dass Mitarbeiter im traditionellen Acht-Stunden-Tag oftmals Ablenkung suchen. Das bedeutet dann WhatsApp oder private Mails checken, der kurze Tratsch an der Kaffeemaschine oder die Überbrückung des Nachmittagslochs nach dem Mittagessen mit Surfen im Internet.

Arbeiter mit Aktentasche

Über acht Stunden am Stück konzentriert zu bleiben, kreative Ideen zu produzieren oder fehlerfrei zu arbeiten ist nahezu unmöglich. Gleichzeitig wird nach der Abreit ebenso viel Zeit benötigt  runterzufahren, um Abschalten zu können, neue Eindrücke zu sammeln und wieder motiviert zur Arbeit zu kommen. Denn noch immer ist Stress bei der Arbeit Krankheitsgrund Nummer eins. Stress gefährdet nicht nur die psychische Gesundheit, sondern schwächt zusätzlich das Immunsystem und macht so anfälliger für Krankheitserreger.

Wieviel Arbeit braucht der Mensch?

Wieviel Wochenstunden sind nun also in Zeiten von konzentrierter Büroarbeit angebracht? 30 Wochenstunden? Oder sogar 25 Wochenstunden? Sicherlich kommt es auf das Unternehmen, die Arbeitsweise und die Aufgaben an, die erledigt werden müssen. Mit gut durchdachten Prozessen ist eine Umstrukturierung auf kürzere Arbeitszeiten allerdings ohne Probleme umsetzbar. Schon eine Stunde weniger pro Tag steigert die Motivation der Arbeitnehmer enorm.

Talkline Hocker Trenner

Die Angst von Arbeitgebern vor faulen und nur an Freizeit interessierten Mitarbeitern ist übrigens unbegründet, wie britische Forscher herausfanden. Arbeit ist ein Faktor, der die geistige Gesundheit positiv beeinflusst. Denn ist man arbeitslos, ist das nicht nur eine finanzielle Herausforderung, auch das Gefühl keinen Beitrag zur Gesellschaft leisten zu können, kann sich auf das Gemüt auswirken und bis hin zur Depression führen. Die Forscher folgerten daraus, dass mindestens acht Arbeitsstunden pro Woche von Nöten seien, um den Selbstwert des Menschen stärken.

Unternehmen, traut euch was!

Es gilt nun also die richtige Dosis Arbeitszeit zu finden. Der Fachkräftemangel macht es nötig, auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer immer weiter einzugehen. Somit sollte das strikte Festhalten an der 40-Stunden-Woche von vielen Unternehmen ernsthaft hinterfragt werden. Dass es einem die Angestellten mit Produktivität, weniger Krankheitsausfällen und Engagement danken, zeigen zahlreiche Studien. Unternehmen müssen mutiger werden und von starren und überholten Strukturen abrücken. Schließlich soll „New Work“ nicht nur eine leere Phrase bleiben.